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Mehr mit weniger - Das Fazit

Mehr mit weniger - Das Fazit

Food-Redakteurin Jenny verzichtet 28 Tage lang auf Einwegverpackungen. Wie gut dieser Selbstversuch funktioniert, darüber berichtet sie hier.

„Es ist bereits ein paar Wochen her, dass ich meinen Selbstversuch beendet habe. Andere Projekte ließen mir einfach keine Zeit für diesen Artikel. Und die wollte ich mir auch unbedingt nehmen, um ein wohlüberlegtes Fazit zu ziehen.

Tag 20-28

In den letzten Tagen meines Versuchs schlich sich bereits so etwas wie Alltag und Gewohnheit ein. Die Einkäufe auf dem Wochenmarkt, die ich vorher akribisch durch plante. Die ein oder zwei Frischhaltedosen, die ihren Platz in meiner Tasche gefunden hatten, damit ich immer eine dabei habe. Das Vorbereiten des Essens für den nächsten Tag. Schon verwunderlich, wie schnell dieser Prozess von etwas Unvorstellbarem zu etwas fast Normalem gehen kann. Einer der letzten Tage hielt dann sogar noch eine kleine Überraschung für mich bereit: Ich hatte mein Mittagessen für die Arbeit zu Hause vergessen und musste im normalen Supermarkt nach verpackungsfreien Alternativen Ausschau halten. Als ich mich schon darauf eingestellt hatte, dass meine Mahlzeit – wie so oft zu dieser Zeit – aus einem Brötchen und Avocado bestehen würde, entdeckte ich doch tatsächlich eine fertige Suppe im Glas. Die Entdeckung der Woche.

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Doch so leicht, wie es manchmal war, so schwierig war es auch. Die Wochenmärkte ließen sich oft nur einplanen, weil ich morgens noch vor der Arbeit einen Großeinkauf machte. Spontanes Einkaufen für kurzfristig angekündigten Mädelsbesuch sorgte bei mir für leichte Schweißausbrüche. Denn Wochenmärkte haben – so schön und entspannend ich das Einkaufen dort auch finde – einen Nachteil: Sie haben zumeist abends geschlossen. Und für das einzige Geschäft in Hamburg, das auch unverpackte Lebensmittel anbietet, musste ich immer einen Umweg von fast einer Stunde einkalkulieren.

Pasta et Basta!

Hinzu kommt, dass mein Lebensmitteleinkauf nicht immer günstig war. Das gilt zwar nicht für saisonales Gemüse aus der Region vom Markt, für Produkte wie Nudeln, die ich frisch von einem Stand holte, legte ich allerdings ein Vielfaches hin. Ein Vergnügen, dass ich mir als Normalverdiener nur selten leisten könnte.

Das mit den Soja-Joghurt

Mein Soja-Joghurt-Problem blieb mir bis zum Schluss erhalten. Eine Antwort von Alpro habe ich auf meine Anfrage, warum es den Joghurt nicht in Gläsern gebe, leider nie erhalten. Die Betreiber von Original Unverpackt haben mittlerweile allerdings ein schönes Projekt angekündigt und wollen zeigen, dass genau das geht: Sie wollen eine eigene Zero-Waste-Lieferkette aufbauen, die auch Sojamilch im Angebot haben soll.

Und was hat es gebracht?

Nach einem Monat ohne Einwegverpackung steht natürlich eine Frage im Raum: Was hat der ganze Spaß gebracht? Es hat mir vor Augen geführt, wie viele unnütze Einwegverpackungen ich bei meinem täglichen Konsum einfach hinnehme. So abgedroschen die Antwort klingt – nüchtern betrachtet ist es wohl genau das. Ich führe jetzt kein verpackungsfreies Leben und mein Abfalleimer ist wieder deutlich schneller voll als vorher – und ja, das ärgert mich an manchen Tagen maßlos.

Trotzdem versuche ich, so oft es geht selbstgemachtes Essen in eigenen Frischhaltedosen mit zur Arbeit zu nehmen (schmeckt ohnehin viel besser), verpackungsfrei auf dem Wochenmarkt einzukaufen und greife (falls vorhanden) zur verpackungsfreien Variante im Supermarkt. Das klingt jetzt ziemlich uninspirierend, aber ich möchte gerne glauben, dass, wenn alle ein wenig bewusster einkaufen und nicht täglich Berge von Kunststoffmüll produzieren würden,wir der Lösung unseres Plastikproblems schon ein ganzes Stück näher kommen würden.

So geht's nicht weiter

Zu diesem Schluss brachte mich unter anderem die Diskussion mit einem lieben Freund. Das Thema: Ist es wirklich eine realistische Vision für die Zukunft, dass wir alle den Zero-Waste-Lifestyle leben können? Während der Diskussion war ich überzeugt davon, dass das ginge. Schließlich fiel mir das nach ein paar Wochen Übung auch schon nicht mehr so schwer. Ich habe den Lebensstil verteidigt und das aus einem Grund: Weil wir nicht ewig so weitermachen können. Es kann nicht sein, dass wir permanent Dinge herstellen, um sie nach kürzester Zeit einfach wieder in die Tonne zu hauen, wie wir es mit Einwegverpackungen und Plastiktüten stets tun. Vor allem, weil das Ausmaß dieser Lebensweise mittlerweile all zu gut sichtbar wird – auch durch weltweit bekannte Dokus, wie Trashed.

Und die Lösung des problems ist …

Doch was ist die Lösung? Fakt ist, auf viele Verpackungen könnte man verzichten. Vor allem in puncto Gemüse. Und ich bin mir sicher, dass man Leute dazu bringen kann, Gemüse und Obst nur noch in wiederverwendbaren Tüten einzukaufen. Genauso ist es möglich, im Handel auf Plastiktüten zu verzichten. Länder wie Irland sind da längst auf einem guten Weg. Doch das Ziel, dass alle alles kunststofffrei einkaufen, sehe ich als nicht realistisch. Die Lösung ist also vielleicht eher, in Zukunft auf eine Kombination von bewussterem Konsum, der Verwendung langhaltbarer Kunststoffe, wie sie für manche Frischhaltedosen eingesetzt werden, und biologisch abbaubaren Verpackungen zu setzen. Auch, wenn bei letzteren noch großes Entwicklungspotenzial besteht. Denn mein Freund hatte Recht: Die Menschen werden wohl kaum wieder alle den Komfort aufgeben, sorglos einzukaufen, um wieder mit Einmachgläsern in den kleinen Laden nebenan zu gehen.“

Über die Redakteurin

Jenny ist beim Frische Magazin für alle Themen rund um Genuss und nachhaltigen Konsum zuständig. Sie ist hungrig auf alles, was mit tollem Essen, guten Bieren und Innovationen im Genussbereich zu tun hat. Ihr Lieblingsessen? Das ändert sich jede Woche. Aber ein Leben ohne Käse und gutes Brot? Unvorstellbar.

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