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Billiger Fleischkonsum auf Kosten der Kreatur

Billiger Fleischkonsum auf Kosten der Kreatur

Stephan von Bülow ist Manager der Steakhouse-Kette Block-House. Trotzdem forderte er die Menschen in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung vergangene Woche auf, weniger und bewusster Fleisch zu essen. Zudem machte er deutlich, dass dringend ein Umdenken im Umgang mit Fleisch einsetzen muss: „Es gibt Situationen, in denen ich, um es mal deutlich zu sagen, nur kotzen könnte“, so der Block-House-Chef im Interview. „Etwa wenn ich erlebe, wie eine Schickimicki-Frau mit ihrem Hündchen in ein Restaurant kommt und ein Filetsteak und Salat bestellt. Sie isst dann den Salat und das Filetsteak gibt sie dem Hund.“ Dafür – so von Bülow – müsse kein Tier sterben. Zudem habe er wenig Verständnis dafür, wenn Gäste nicht aufessen. „Viele machen sich einfach keine Gedanken darüber, dass dafür ein Tier gestorben ist.“

Eine Meinung, die auch Starkoch Christian Rach teilt. Das Team vom Frische Magazin hat mit ihm darüber gesprochen, wie man seinen Fleischkonsum bewusst reduzieren kann, was er von Discounter-Fleisch hält und wo man sein Fleisch im besten Fall kaufen sollte.

Abgepacktes Fleisch vom Discounter – was halten sie davon, Herr Rach?

Christian Rach: Generell muss man davon ausgehen, dass es sich beim Fleisch von Discountern um Fleisch aus der Massentierhaltung handelt. Wer mal mit eigenen Augen gesehen hat, was Massentierhaltung eigentlich ist und bedeutet, der isst solch ein Fleisch nicht mehr. Es kann ja nicht sein, dass ein Kilo Schweinenacken nur 1,99 Euro kostet – ob abgepackt oder am Stück. Bei solchen Preisen müssen Sie sich fragen, wie sie zustande kommen können. Die kann es ja nur geben, weil sie auf Kosten der Kreatur gehen. Und wenn weniger Geld da ist, verzichtet man lieber auf eine tägliche Fleischportion und gönnt sich ab und zu Fleisch vom Metzger seines Vertrauens, das man dann auch wirklich mit Genuss verzehren kann.

Und wer trotzdem zu abgepacktem Fleisch greift?

Christian Rach: Wenn man abgepacktes Fleisch kauft, ist es wichtig, dass auf der Verpackung dann auch draufsteht, wo das Produkt herkommt, damit man seinen Werdegang nachvollziehen kann. Es geht um Transparenz. Bei einem Schnitzel sollten Sie schon wissen, ob das Schwein aus Deutschland oder Italien kommt. Außerdem sollte auf der Verpackung stehen, welche Inhaltsstoffe drin sind. Und wenn man die Angaben nicht versteht, ist das kein gutes Zeichen, wie ich finde.

Muss es Fleisch vom Bio-Bauern sein?

Christian Rach: Nein, es geht überhaupt nicht um Bio oder Nicht-Bio. Sie können nicht 80 Millionen Deutsche aus dem Vorgarten heraus ernähren. Aber wenn man Fleisch isst, dann sollte man auch wirklich fair sein und sich fragen: Wenn ein Rumpsteak 9,80 € kostet, wie kann dann das Tier vorher noch ein würdiges Leben gehabt haben? Das kann nicht sein. Daher mein Tipp: Gerne auf Gemüse umsteigen und nicht immer das Rinderfilet oder Steak für unter 10 € erwarten.

Woran erkenne ich einen guten Metzger?

Christian Rach: Ein paar Merkmale gibt es: Eine frische, saubere, ordentliche Auslage, frische Wurstprodukte, am besten aus eigener Produktion und kompetente Mitarbeiter, die zu den Produkten erzählen können, wo sie herkommen. Und auch den einen oder anderen Zuschnitt, der nicht üblich ist. Auch Innereien sollten angeboten werden.

Welche Möglichkeit gibt es, seinen Fleischkonsum zu reduzieren?

Christian Rach: Es fängt damit an, dass man sich selbst vor Augen führt, wie häufig man selbst Fleisch isst. Viele essen drei Mal am Tag Fleisch. Morgens zum Frühstück das Brötchen mit Wurst, mittags in der Kantine die Currywurst und abends das Brot mit Aufschnitt und Schinken. Das ist zu viel und jeder könnte zumindest versuchen, bei einer Mahlzeit Fleisch durch andere Produkte zu ersetzen.

Wie oft pro Woche kommt bei ihnen Fleisch auf den Tisch?

Christian Rach: Ich esse vielleicht zwei Mal pro Woche Fleisch. Aber eben nicht das Hühnerbrustfilet, sondern das ganze Huhn vom Markt. Und beim Rind ist es genauso – es gibt so viel köstlicheres Fleisch an diesem Tier, es müssen nicht nur die Filetstücke sein. Ich habe damals in meinem Restaurant „Tafelhaus“ immer das ganze Tier verwendet. Ganz viele Rezepte finden Sie dazu in meinen Kochbüchern oder hier in unserem Blog.

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